Wir in Vorarlberg

“ Die Entwicklung des Islam in Österreich und Vorarlberg“

Der erste Einfluss des Islam in Österreich kam im Jahre 1878 im Zuge der Besetzung Bosnien-Herzegowinas durch die k.-u.-k.-Monarchie. Zu dieser Zeit lebten in Bosnien rund 600 000 muslimische Bosniaken, und im Kernland der Monarchie 1281 Muslime (die meisten davon in Wien). Auch konvertierten bereits vor 1878 einzelne Österreicher zum Islam, wie z.B. Franz von Werner, ein österreichischer Schriftsteller und Diplomat in osmanischen Diensten). 1912 wurde dann das Islamgesetz erlassen, dem nach die Muslime der hanafitischen Rechtsschule als Religionsgemeinschaft anerkannt wurden. Für Betreuung bosniakischer  Soldaten innerhalb der k.-u.-k.-Armee wurden Imame eingestellt. Heute sind über 40% der Soldaten der Garde des Österreichischen Heeres Muslime. In der ersten Republik lebten nur einige hundert Muslime in Österreich. Diese waren kaum organisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand der „Verein der Muslims Österreichs“. Dieser widmete sich ausschließlich religiösen, kulturellen, sozialen und karitativen Aufgaben. Zahlreiche Muslime kamen als Gastarbeiter nach Österreich, so dass sich 1964 etwa 8000 Menschen mit islamischem Glauben in Österreich aufhielten. Im 2009 betrug der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung Österreichs bereits  6,2 %. Dieses Jahr wurde das 100-jährige Jubiläum des Islamgesetzes in Österreich gefeiert.

Der Islam in Vorarlberg

In Vorarlberg stellten die Muslime im Jahr 2001 etwa 9% der Gesamtbevölkerung dar. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um türkische Staatsbürger oder österreichische Staatsbürger türkischer Herkunft – somit kann gesagt werden, dass der Islam in Vorarlberg nicht nur die Religion von Ausländern ist.  Dank der Zuwanderung bosnischer Kriegsflüchtlinge aus Anfang der  90er Jahre des 20. Jahrhunderts, wuchs auch die Zahl der Bosniaken in Vorarlberg. Vereinzelt leben in Vorarlberg auch Muslime aus Nordafrika. Der Vorarlberger Islam ist hauptsächlich von der hanafitischen Rechtsschule geprägt (etwa 80%). Die restlichen 20% entfallen auf türkische Aleviten. Die Muslime Bosnien und Herzegowinas bilden mit den Muslimen aus Albanien (Mehrheit der albanischen Bevölkerung) die einzigen europäischen Völker, welche der islamischen Religion zugeordnet werden. „Bosniaken“ („Bošnjaci“) bezeichnet heute im nationalen Sinne die Muslime des ehemaligen Jugoslawiens (ca. 3 Millionen Menschen). Deren überwiegende Mehrheit lebt in Bosnien und Herzegowina. (Dort bilden Bosniaken das zahlenmäßig größte Volk, etwa 50% der dortigen Bevölkerung.) Die Bosniaken übernahmen den Islam der hanafitischen Rechtsschule im ausgehenden 15. und 16. Jahrhundert vom Osmanischen Reich, das sich mehrere Jahrhunderte lang über den gesamten Balkan erstreckte. Daher sind die theologischen Hintergründe der Muslime aus dem ehemaligen Jugoslawien denen der türkischen Muslime relativ ähnlich. Allerdings leben die meisten bosnischen Muslime  ihre religiöse islamische Identität vor dem Hintergrund eines säkularen Verständnisses von Religion. Derzeit gibt es 3 religiöse Einrichtungen der Bosniaken in Vorarlberg. Es handelt sich hierbei um die „Bosniakisch-muslimische Gemeinschaft Vorarlberg“,  die im Jahre 1990 gegründet wurde. Der Sitz der Gemeinschaft befindet sich im Moment noch in Feldkirch, wobei  die Errichtung des neuen Kulturzentrums in Rankweil schon voll im Gange ist.  Der Verein wird sehr wahrscheinlich  im Laufe des nächsten  Jahres(2013) dorthin übersiedeln. Aus dieser Gemeinschaft entwickelte sich aus territorialen Gründen  das „Kultursportzentrum Izet Nanić“ mit Gebetsraum in Dornbirn, und eine neue Gruppe bosnischer Muslime, die derzeit einen Gebetsraum in Bludenz etablieren.

Bosniaken

Heute werden mit dem Begriff „Bosnier“ („Bosanac“) im Allgemeinen die Bewohner des Staates Bosnien und Herzegowina unabhängig von der Volksgruppe (Bosniaken, Serben, Kroaten) und der Religionszugehörigkeit (Islam, serbische Orthodoxie, Katholizismus) bezeichnet.  Im mittelalterlichen Bosnien nannte man die Bewohner Bosniens „Bošnjani “ (Sg. „Bošnjanin“). Der Begriff „Bosniake“ („Bošnjak“) taucht nach der Eroberung seitens des Osmanischen Reichs im 15. Jh. auf und entstammt der türkisierten Form „Boşnak“ (türk. Pl. Boşnaklar). Bosnische Franziskaner verwendeten beide Begriffe um alle Bewohner Bosniens zu bezeichnen, und zwar ohne Unterschied auf die religiöse Zugehörigkeit.  Für osmanische Autoren waren jedoch nur die muslimischen Bosnier als „Bosniaken“ zu bezeichnen, während die Nichtmuslime „Reaya“ („die Herde“) oder „Walachen“ („Vlasi“) genannt wurden. Die k.-u.-k. Verwaltung (1878 – 1918) unter dem gemeinsamen Finanzminister Benjamin Kallay (1839-1903) versuchte die Bezeichnung „Bosniaken“ für die gesamte Bevölkerung einzuführen. Dies scheiterte am Widerstand der Mehrheit der christlich Orthodoxen und der Katholiken, deren Nationswerdung als Serben und Kroaten bereits begonnen hatte. Heute wird die Bezeichnung „Bosniaken“ für die bosnischen Muslime und die Bezeichnung „Bosnier“ für alle Einwohner Bosniens  verwendet.